Mit Blendle zahle ich auf einmal für Journalismus

Ich lese gerne Zeitung und ich kaufe mir ungerne ganze Zeitungen. Zum einen nehme ich mir nicht die Zeit eine ganze Zeitung zu lesen und zum anderen interessiert mich sowieso nur die Hälfte aller Artikel in einer Zeitung. Stattdessen lese ich sehr viel online. Viele Artikel fliegen auf sozialen Netzen an mir vorbei und ich speichere sie in Pocket. Oft surfe ich aber auch die Webseiten der Zeitungen an und lese da wild drauf los.

Ich hab bei der Süddeutschen Zeitung einen Account und bezahle da gelegentlich für einzelne Artikel. Ich mag mich aber nicht bei allen Zeitungen anmelden und überall Accounts mit Zahlungsdaten haben. Ich kann das dann alles nur auf den verschiedenen Webseiten angucken oder in deren Apps. Wenn die Zeitung überhaupt eine Möglichkeit bietet einzelne Artikel zu kaufen. Es ist insgesamt ein Graus.

Jetzt kommt Blendle in den deutschen Markt. Blendle ist ein niederländisches Unternehmen und ermöglicht es mir einzelne Artikel aus verschiedenen Zeitungen zu kaufen. Ein Account, einzelne Artikel und kein Stress. Ich bin in der glücklichen Lage einen Betazugang zu haben und habe in der letzten Woche 6,50€ von meinem ersten Guthaben aufgebraucht (5€ bekommt man geschenkt, 10€ hab ich per Paypal aufgeladen.) Das klingt nicht viel, davor habe ich aber 0€ ausgegeben und ausschließlich mit adblocker auf deren Webseite oder in pocket gelesen. Sprich von mir gab es vorher genau gar nichts.

blendle übersicht

Blendle schickt mir jeden Morgen eine Liste mit potentiell interessanten Artikeln zum Lesen. Ein oder zwei sind immer für mich dabei. Man kann auf der Seite nach Themen und Schlagwörtern suchen, nach Zeitungen sortieren, ganze Zeitungen kaufen und bekommt natürlich auch dort Artikel vorgeschlagen. Wenn mir ein Artikel gefällt, dann speichere ich ihn als Lesezeichen und kann ihn unterwegs in der App oder auf dem PC lesen. Natürlich kann ich die Artikel auch in den entsprechenden sozialen Netzen teilen.

Am Ende jedes Artikels kann man sein Geld zurückverlangen, keine Ahnung wie oft das geht, und man kann die ganze Ausgabe der Zeitung kaufen. Auch Abos von Zeitungen sind möglich. Die Preise sind nach der Länge der Artikel gestaffelt, gehen bei 29 Cents los und hören afaik irgendwo unter 2€ auf. Blendle finanziert sich nach dem Apple-Modell. 30% bleiben bei Blendle, der Rest geht an die Zeitungen.

blendle lesezeichen

In Deutschland sind die für mich wichtigen Zeitungen alle dabei. Eine vollständige Übersicht bekommst du hier.

blendle Zeitungen

Für mich muss genau so Journalismus im 21. Jahrhundert funktionieren. Einfach für die Benutzer und Benutzerinnen und fair für alle Beteiligten. Sie sind noch in der Betaphase und es gibt an ein paar Ecken noch ein paar Bugs, wenn man die meldet, werden die aber auch umgehend gefixt. Ich kann euch nur empfehlen euch bei Blendle anzumelden!

Ich hab außerdem noch zwei Betainvites, falls jemand interesse haben sollte.

Tschernobyl

Ich bin ein Tschernobyl-Kind. Meine Mama hat mich ausgetragen, kurz nachdem der Reaktor explodiert war und musste sich die wahrscheinlich gut gemeinten Ratschläge anhören, dass ich verkrüppelt (Zitat) auf die Welt komme und bla. Man kennt die Vorurteile. Abtreibung war das Stichwort. Irgendwie habe ich deshalb ein besonderes Verhältnis zu dem Atomunfall.

Das Video finde ich aber nicht nur deshalb spannend. Es ist interessant zu sehen wie die Natur „unsere“ Orte zurückerobert.

Allerdings ist es etwas komisch und irgendwie auch dumm, dass der Kerl keine Strahlenschutzmaßnahmen getroffen hat!

(Bei einem protected account gefunden.)

Gebt Kinder Technik

Medienkompetenz, eines dieser Schlagwörter unter dem sich alles und nichts zusammenfassen lässt. Die kommenden Generationen müssen unsere Technik irgendwie meistern und weiterentwickeln. Nicht nur wir, die wollen, dass unsere Kinder mal den Netflixaccount für uns managen, sondern auch die Wirtschaft möchte gut ausgebildete und technikaffine, zukünftige Arbeiter_innen haben. Ich denke kaum jemand möchte nicht, dass eine Gewisse Kompetenz beim Technikumgang vorherrscht.

Zwei zentrale Fragen stehen dabei im Vordergrund:
+ Was müssen die Kinder im Bereich Technik und Internet lernen?
+ Wie lernen sie das dann am besten?

Oft wird die Schule als Ort und Themensetzer ins Spiel gebracht. Man könnte einen Informatikunterricht einführen. Im Informatikunterricht könnte man dann Programmieren, Datenschutz, Internet und all den stuff machen. Man könnte das auch dezentral in den Fächern oder über Arbeitsgemeinschaften (AGs) organisieren. Man könnte den Schüler_innen Tablets oder PCs geben und dem Kollegium sowieso. Ich will diesem Weg auch seine Berechtigung nicht absprechen. Schule muss das thematisieren und Schule muss besser ausgestattet werden. Dennoch, wenn ich an meine Sozialisation mit Technik zurückdenke, und ich glaube, dass ich für Nerds da draußen gar keine so große Ausnahme bin, dann ist das der nur ein möglicher Weg.

Ich habe durch ausprobieren gelernt meinen PC zu bedienen. Ich weiß wie man ein Windows installiert, weil ich Windows 95, 98 1. & 2. Edition und Windows Me bestimmt hundertmal neu aufsetzen musste. Meistens war es meine Schuld, ich hatte irgendwas kaputt gemacht und musste das fixen. Wegen dieser frühen Berührungspunkte bin ich auch auf ein berufliches Gymnasium mit Fachrichtung IT gegangen
Ich hatte also Technik und ich musste sie selbst reparieren.

Jetzt kommt natürlich das Standardargument des Geldes. Technik kostet Geld. Oft sogar sehr viel Geld. Ich tippe diese Zeilen auf einem 5 Jahre alten PC, dessen Monitorgehäuse nur noch von Panzertape zusammengehalten wird. Ich tue das nicht weil ich da Bock drauf habe, sondern weil ich mir keinen neuen leisten könnte. Trotzdem habe ich in meiner Technikkiste noch einen weiteren alten Laptop, 4 alte Digitalkameras, 2 alte Smartphones, diverse alte Mobiltelefone und Kabel und ohne Ende Kabel. Ich habe die Sachen aufgehoben, weil ich sie ja nochmal irgendwann brauchen könnte. Aber denkt mal drüber nach, eher nicht.

Meine Freundin kam die Tage auf die Idee, dass wir eine der alten Kameras unserem 4 jährigen Sohn geben könnten. Die Dinger sind quasi nichts mehr wert, weil jeder eine alte Digicam zu Hause hat und wir haben dann immer noch drei sinnlos zu Hause rumliegen. Warum sollte ich sie nicht meinem Sohn geben? Er lernt damit vielleicht zu fotographieren, aber auf jedenfall hat einen Heiden Spaß mit dem Ding. Das könnte seine Einstiegsdroge sein. Er lernt jetzt nebenher den Umgang mit Technik. Irgendwann will er die Bilder selbst auf einen PC bringen und dann an Freunde verschicken oder bearbeiten. Das ist ein Momentum das unbezahlbar ist.

jonas

In einem Jahr oder so bekommt er ein altes Smartphone. Nicht weil er damit telefonieren oder ins Netz soll, sondern weil das sein Mediengerät sein wird. Er kann dann damit endlich seine CDs hören ohne die CDs zu zerkratzen, er kann Fotos mit dem Ding machen, seine Stimme aufnehmen und bearbeiten, spielen, Musik erstellen und was weiß ich noch alles.

Ja, mein Sohn und ich sind privilegiert. Wahrscheinlich hat nicht jeder so viel Technik zu Hause rumliegen wie ich. Wir haben so viel Elektroschrott und alte Technik, da müsste doch für alle Kinder etwas dabei sein? Bei uns läuft das jetzt so. Eine zweite Cam von uns geht an den Cousin von Jonas und die anderen zwei? Wieso eigentlich nicht an die Kindergartengruppe geben? Die können damit bestimmt mal ein lustiges Fotoprojekt machen.
Habt ihr Technik im Keller, der Schublade oder im Schrank, die ihr unbedingt aufheben wolltet und dann doch nie benutzt habt? Gebt sie euren Kindern, euren Enkeln, den Kindern eurer Freunde oder spendet sie an einen Kindergarten. Lasst sie basteln und bauen und Fehler machen. Besser mit dem Schrott, als ihrem ersten iPhone. 😉

S6 edge oder das Sterben in der Hosentasche

Ich bin verliebt in ein Smartphone. Ich verliebe mich gerne in Technik. Ich erfreue mich einfach gerne an ihrer Ästhetik. So geschehen mit dem Samsung Galaxy S6 edge. Freundlicherweise wurde mir das von 1und1 für einen Test beim Phasentheater zu Verfügung gestellt und meine Fresse:

Was hab ich mich auf dieses Telefon gefreut.

Dann war es endlich da. Verliebt, wie ich nun Mal war, habe ich den handschmeichler in Betrieb genommen und die üblichen Samsungmarotten ignoriert, das Telefon irgendwie mit meiner Smartwatch in Betrieb genommen und mich über das extrem schnelle fast charging gefreut. Am Tag des Einrichtens bin ich mit einem vollen S6 edge aus dem Haus und um 5h später satt vom Kubaner wieder heimgekommen. Ich hatte nur noch 50% Akku, bei einer Stunde screen on time. „Joa“, dachte ich mir so und nach dem Bier und dem Strawberry Daquiri war ich wohlwollend und hab den Akkustand auf irgendwas geschoben. Netz, Wetter, bla.

Nächster Tag, selbes Spiel und die Liebe war verflogen.

Ein Telefon, dass mich nicht über den Tag bringt und mich auch noch 700€ (hab die 64gb Variante) kostet ist eine verdammte Frechheit und damit ist der Test für mich vorbei. Ich bin es satt und habe es Leid und eine dritte Metapher fällt mir nicht ein.

Motorola hat gerade das Moto X Play mit 48h Akkulaufzeit angekündigt, mein Sony Xperia Z3 Compact bringt mich auch locker über den Tag. Beide Geräte lassen mich mein Telefon auch benutzen und nicht nur cool aussehen um dann langsam in der Hosentasche zu sterben sterben.

Ich verstehe die Welt langsam nicht mehr. Sonys Telefon sind zwar sacken hässlich, aber meine Güte: Billiger und besser. Motorola macht verdammt hübsche Geräte und wenn jetzt die Akkulaufzeit auch noch stimmt, dann wird das mein nächstes Telefon. Ein Ascend Mate 7 hat einen wahnwitzigen 4100mAh. Es geht also auch besser.

Wir reden von immer von mobile first. Für mich ist mein Smartphone ist das wichtigste technische Gerät. Es ist meine Kommunikationszentrale, ich höre Musik damit, lese darauf, gucke Filme damit, manchmal lerne ich damit, im Zug kann ich damit auch mal bloggen. Wie soll ich denn mobile first sein, wenn mein Telefon auf 2-3h screen on time ausgelegt ist?

Ja, das S6 edge ist das hübscheste Telefon da draußen und eine großartige Kamera und ein wunderschönes Display, aber der Akku stirbt in meiner Hosentasche kontinuierlich vor sich hin. In einem Jahr oder einem halben Jahr, wenn der Akku immer schwächer und schwächer wird brauche ich ohne eine sehr gute Powerbank auch nicht mehr aus dem Haus zu gehen.

Eines muss man abschließen noch sagen. Ja, fast charging is fast und wenn man immer in der Umgebung von Steckdosen ist, dann ist das alles kein Problem. Wenn! An der Powerbank hab ich dann aber auch kein fast charging sondern die üblichen 3,5h Akkuladezeit. Tagesausflüge sind also nicht drin. Für mich ein no go. Danke Samsung, so nicht.

Der Soundtrack zum Fremd im eigenen Land sein

Auf Twitter wurde mir eben (von einem protected Account) Alpha Gun – Ausländer in die Timeline gespült und ich hab einen kleinen Flashback bekommen.

Die Single wurde 2007 veröffentlicht, für mich irgendwie die (Hoch-)Zeit des deutschen Hip Hops. Ich war 20 und die Single war so mein erster Kontakt zu Künstlern die ihre Fremde im eigenen Land thematisierten. Alpha Gun war dabei natürlich nicht der erste. Im Hip Hop war wohl 1992 Advanced Chemistry die erste Kombo, die das in Deutschland tat. Von ihr kenn ich auch den Ausspruch Fremd im eigenen Land.

Blumio hat 2009 auch dieses Thema aufgegriffen und war mit Hey Mr. Nazi mehr auf einen Dialog aus.

Alle diese Künstler sind deutsche Staatsbürger und werden trotzdem angefeindet, weil sie anders aussehen oder anders sprechen oder was weiß ich. Ich bin wirklich kein Hip Hop-Fan, aber diese drei Lieder haben mich tatsächlich sehr geprägt. Sie machen mich jedes Mal traurig und regen mich immer wieder zum Nachdenken an.

Ich würde jetzt gerne einen sinnvollen Blogbeitrag dazu schreiben, aber am Ende des Tages will ich nur, dass alle diese Lieder kennen und traurig oder nachdenklich von ihnen werden.

Es muss sich so vieles ändern. Niemand sollte sich hier fremd fühlen müssen.

Headerbild CC BY 2.0 – Optikfluffel

It’s not a bug, it’s a feature

Diese Kanne hat mich schon wirklich Nerven gekostet. Sie suppt beim Einschenken sehr stark und meine Güte, was hab ich schon an Tee verschüttet und mich verbrannt.

Was ich bis heute nie verstanden habe: Es ist ein Feature und kein Bug.

Wenn man sich Zeit nimmt und sehr langsam einschenkt, dann suppt sie überhaupt nicht.

Tee zu trinken wird für mich immer mehr zu einer Art Zenmoment. Sich kurz Zeit nehmen, den Tee genießen und sich nicht stressen lassen. Versucht das mal. Es lohnt sich.

Zeitersparnis durch Pocketintegration im Kontextmenü von Firefox

Seit einiger Zeit ist Pocket fest in Firefox integriert. Man braucht also kein Addon mehr um einen „Save in Pocket“-button zu haben. Was mir aber erst heute aufgefallen ist:

Im Kontextmenü ist jetzt auch ein „Link bei Pocket speichern“-Dialog.

Klingt nicht spannend? Man spart sich jetzt einen Klick, weil man den Artikel nicht mehr aufmachen muss. Bisher bin ich die Seite der Wahl durchgegangen und hab mit „Ctrl+Linksklick“ x neue Tabs aufgemacht und dann jeden Tab einzeln gespeichert. Jetzt mache ich nur noch Rechtsklick -> „Link bei Pocket speichern Dialog“ und fertig. (:

Ich finde das großartig.

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